Patrick Becker, CEO vom VRoom.Ruhr, entführt mich im Interview in computergenerierte Realitäten.

Sanft fährt der Fahrstuhl nach oben, im Hintergrund klingt leise Lounge-Musik. Mit einem Klingeln signalisiert der Lift das Erreichen der obersten Ebene. Die Türen öffnen sich – und geben den Blick in einen gähnenden Abgrund frei! Ich befinde mich auf dem Dach eines Wolkenkratzers, ganz nah über mir kreist ein Heli und in den Straßenschluchten tief unten fahren hupend Autos. Aus dem Lift heraus führt eine Holzplanke ins – Nichts. „Jetzt versuch mal, über das Brett zu laufen“, höre ich eine Stimme aus dem Off. Ich überwinde mich und setze eine unsichtbare Fußspitze auf den Rand der Planke. Langsam verlagere ich mein Körpergewicht nach vorne, aber weiter geht es absolut nicht. „Oh mein Gott, ich kann nicht!“, sage ich. „Dann fahre ich dich wieder runter“, besänftigt mich die körperlose Stimme.

Nah an der Realität

Diese Erfahrung war Teil eines Virtual Reality (VR) Games. Als ich die Brille absetze, staune ich. Die VR-Umgebung war nahezu real, mein Empfinden auch. Ich hatte definitiv Höhenangst. Zurück in der Wirklichkeit steht Patrick Becker, CEO des VRoom.Ruhr, vor mir und grinst mich an: „Na, wie war es?“ Ich bin überwältigt von dem eben Geschehenen. Schritte in virtuellen Welten habe ich zuvor nur in den 90ern gemacht, als die Technologie noch in den Kinderschuhen steckte.

Arcade-Halle und Business-Lösungen

Den VRoom.Ruhr hat Patrick im September 2017 als Start-up gemeinsam mit seinem Bruder Florian in einem ehemaligen China-Restaurant an der Bochumer Straße in Gelsenkirchen eröffnet. In der sogenannten Arcade Halle nach amerikanischem Vorbild können sich abenteuerlustige Spieler auf zwei Feldern in Wohnzimmeratmosphäre nach Herzenslust austoben. Aktuell stehen 33 verschiedene Anwendungen zur Auswahl.

War früher die Küche eines China-Restaurants: Eines der Spielfelder im VRoom.Ruhr. Foto: Katrin Schnelle

War früher die Küche eines China-Restaurants: Eines der Spielfelder im VRoom.Ruhr. Foto: Katrin Schnelle

Die beiden Gelsenkirchener setzen jedoch noch auf ein zweites Standbein: „Wir fahren beispielsweise auch auf Businessveranstaltungen raus und präsentieren die Technologie unter anderem als Eyecatcher an Ständen“, so Patrick. Neben der fast vollständig computergenerierten virtuellen Realität setzen die beiden Unternehmer dabei auch auf die Technologien Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR). In der AR werden kleine computergenerierte Elemente in die Realität integriert, wie beispielsweise in der Satellitendarstellung von Google Maps. Die MR überträgt Elemente aus der Realität in den computergenerierten Bereich.

Gründen? Einfach machen!

Dabei stammen Patrick und Florian gar nicht aus der IT: Patrick studierte Mathematik und Florian arbeitet Vollzeit in der Marktleitung einer großen Baumarktkette. Die Begeisterung für VR entsprang einem privaten Interesse: „Florian hatte die Technik bereits zu Hause. Da Arcade Hallen in Deutschland noch nicht so verbreitet sind, wollten wir hier ein entsprechendes Angebot schaffen“, erklärt Patrick. Die Gründung war erfolgreich – nicht zuletzt durch die umfassende Unterstützung der Wirtschaftsförderung Gelsenkirchen. Patrick bestätigt: „Man bekommt hier im Ruhrgebiet gute Unterstützung von den Kommunen, die entsprechenden Angebote sollte man als Gründer definitiv nutzen. Wichtig ist, dass man es einfach macht!“

Seid ihr neugierig geworden? Dann findet ihr mehr Informationen unter http://www.vroom.ruhr.