Das Start-up Weltenweber aus Krefeld entwickelt nützliche Anwendungen.

Ich befinde mich mitten auf einer belebten Straßenkreuzung in Krefeld und schaue mich um: Vor mir steht eine Straßenbahn zur Abfahrt bereit, um mich herum kreisen Autos – zahlreiche VW-Käfer und sogar ein Goggomobil. Die Reklametafeln an den Gebäuden muten historisch an. Sogar die Menschen um mich herum stammen aus einer anderen Zeit. Das Team von Weltenweber hat mich mit Hilfe einer Virtual Reality (VR) Brille geradewegs zurück in die 50er oder 60er Jahre geschickt!

„Krefeld im Wirtschaftswunder“ heißt diese Anwendung. Gemeinsam mit den Helios Kliniken hat Weltenweber eine echte Verkehrssituation in Krefeld aus der damaligen Zeit rekonstruiert. Das Pro-bono Projekt will demenzkranke Menschen zur Kommunikation anregen, indem Erinnerungen reaktiviert werden. Mit dem „Krefelder Wirtschaftswunder“, einer vielbeachteten Referenzarbeit, haben Lukas Kuhlendahl, Beate Sucrow, Dominica Wester und Janos Wokrina eine gute Basis für ihre weitere Geschäftsentwicklung geschaffen. Warum sie sich selbständig gemacht haben und was ihre Ziele sind, erzählen die jungen Unternehmer im Interview.

Mit der VR-Brille zurück in die 50er und 60er Jahre: Das Projekt "Krefeld im Wirtschaftswunder" hilft demenzkranken Menschen sich zu erinnern. Grafik: Weltenweber

Mit der VR-Brille zurück in die 50er und 60er Jahre: Das Projekt “Krefeld im Wirtschaftswunder” hilft demenzkranken Menschen sich zu erinnern. Grafik: Weltenweber

Was macht ihr genau?

Wir entwickeln VR-Anwendungen für Unternehmen aus den unterschiedlichsten Bereichen. So haben wir für einen Automobilteilezulieferer beispielsweise eine virtuelle Ausbildungswerkstatt entwickelt, in der potenzielle Auszubildende und Schüler auf spielerische Weise und risikofrei erste Erfahrungen in der Berufswelt sammeln können. Am liebsten arbeiten wir an Projekten, die Menschen weiterbringen. Dabei liegt unser Fokus momentan auf den Bereichen Medizin und Kultur. Ein Projekt aus dem kulturellen Bereich ist eine Anwendung für das Museum Burg Linn in Krefeld. Mit der VR-Brille können Besucher bald eine virtuelle Zeitreise ins Mittelalter unternehmen und erleben, wie es damals rund um die Burg zuging.

Erste Handgriffe im Berufsleben ermöglicht diese virtuelle Ausbildungswerkstatt. Foto: xxx

Erste Handgriffe im Berufsleben ermöglicht diese virtuelle Ausbildungswerkstatt. Grafik: Weltenweber

Wie kamt ihr auf die Idee, euch selbständig zu machen?

Wir haben alle Game Design an der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf studiert und anschließend rund zwei Jahre lang gemeinsam für ein Unternehmen an einem Spieleprojekt gearbeitet. Mit dem Gedanken uns selbständig zu machen, haben wir damals schon länger gespielt. Wir wollten Autonomie gewinnen und unsere Unabhängigkeit bewahren.  Schließlich haben wir den Schritt gewagt, ein gutes halbes Jahr früher als geplant. Weltenweber gibt es jetzt seit Mai 2017.

Wie habt ihr euch seitdem entwickelt?

Gestartet sind wir mit einem Gründungszuschuss von der Agentur für Arbeit. Damit haben wir im ersten halben Jahr hauptsächlich Akquise betrieben und an Referenzprojekten wie dem Krefelder Wirtschaftswunder gearbeitet. Große Investitionen benötigten wir anfangs nicht, denn eine VR-Brille und Rechner waren vorhanden. Seit Januar sitzen wir nun in unserem Büro im K2 Basecamp. Hier stellt die Firma Kleinewefers Start-ups und Jungunternehmen Flächen zum Ansiedeln zur Verfügung. Der Vorteil ist, dass man sein eigenes Büro nutzt und trotzdem Kontakt zu anderen Unternehmen hat, weil wir uns beispielsweise die Küche teilen.

Was sind eure Ziele?

Hauptsächlich möchten wir eine sichere Existenz gründen und mit dem was uns Spaß macht über die Runden kommen. Wir sind auf der Suche nach Partnern und Projekten. So können wir Geld zurücklegen, um damit dann in der Zukunft eigene Spiele zu machen.

Was gebt ihr anderen Gründern mit auf den Weg?

Grundsätzlich empfehlen wir: Nehmt alle Infoangebote wahr, besucht Beratungssprechstunden und nehmt an Wettbewerben teil! Eine wichtige Sache für Start-ups und Existenzgründer ist in jedem Fall auch das Netzwerken. Uns trifft man beispielsweise regelmäßig beim Gründerstammtisch in Krefeld. Dort tauschen wir in lockerer Runde Erfahrungen aus.

Mehr Informationen zu Weltenweber gibt es unter www.weltenweber.com.

Teamfoto im Header: Felix Kuhlendahl